• Kunstmuseum Stuttgart

  • Der als "Kleiner Schlossplatz" bezeichnete Bereich - ursprünglich eine 1968 fertig gestellte Überdeckelung eines Verkehrsknotenpunktes - wurde seit Anfang der 80er Jahre, nachdem sich die Verkehrsplanung völlig überholt hatte, mehrfach überplant. Mit dem Neubau des Kunstmuseums Stuttgart, wurde die Chance für eine städtebauliche Aufwertung des wichtigsten zentralen Bereichs der Stuttgarter Innenstadt genutzt. In einem klassischen städtebaulichen Ansatz fassen und begrenzen die neuen, klaren Gebäudekanten Platz und Straßenräume.
    Für das Kunstmuseum Stuttgart wollten die Architekten Hascher und Jehle nichts postmodern Schillerndes oder Aufdringliches entwerfen, das die künftige Nutzung des Baus in den Hintergrund drängt. Die gebürtigen Stuttgarter schufen vielmehr einen ruhigen, eleganten Baukörper, der eindeutig in unserer Zeit verankert ist. Denn der gesamte Schlossplatz - so der Ansatz - wird von Bauwerken unterschiedlichster Epochen begrenzt, die ihre jeweils eigene Sprache sprechen. Hascher Jehle entschlossen sich daher für einen architektonischen Solitär, der mit seiner Umgebung ein Ensemble bildet. Der Neubau ist bewusst etwas aus der Baufluchtlinie der Königstraße zurückgezogen. Dadurch entsteht ein Eingangsbereich vor dem Museum, der dem Ort Großzügigkeit verleiht und den Blick auf den Portikus des Königsbaus frei gibt. Zudem haben die Architekten in ihrem Entwurf darauf geachtet, weder das historische Bild (die Vedute des Kronprinzenpalais) noch den zwischenzeitlich dort gebauten Tunnel oder die allseits beliebte Treppe zu leugnen, sondern die Spuren der Vergangenheit konstruktiv in das neue Gebäude aufzunehmen.

    Die Ausstellungsräume

    Der Ausstellungsbereich für die Sammlung des Museums erhält durch seine besondere räumliche Situation einen unverwechselbaren Charakter. Er findet seinen Platz im Sockel des "neuen Kleinen Schlossplatzes", im Bereich der nicht mehr benötigten Tunnelröhren, die in zwei übereinander liegenden Ebenen früher dem Verkehr für Auto und Straßenbahn dienten. Die Absicht war eine Kombination der Flächen: Auf der einen Seite die ruhigen, introvertierten Kunsträume, auf der anderen Seite die lebendigen kommunikativen Bereiche. Die Ausstellungsräume sollten dabei aber keine monotone Kulisse für die Kunst sein. Die Räume wurden daher in Größe und Proportion variiert und vor allem die Abfolge der Räume, der Weg wurde durch einen Wechsel von verdichteten und sich öffnenden Raumbereichen gestaltet. Über Lufträume und Galerien sind die zwei Ausstellungsebenen unmittelbar miteinander verwoben, sie gehen fließend ineinander über und bieten besonders hohe Präsentationsräume. Auch das unterirdische Raumkontinuum im Sockel des Platzes sucht den Kontakt zur Öffentlichkeit. Zum einen ist es über die großzügigen Lufträume mit der Eingangsebene verbunden. Zum anderen verweist ein großflächiges, in den Platz eingelassenes Lichtband auf die unter der Erde verborgene Kunst.

    Tagsüber flutet natürliches Licht in die Erschließungszonen unter dem Platz, so entsteht auch in der Tiefe des Bauwerks keine Tunnelatmosphäre, sondern ein lichter, lebendiger Raum. Durch Screens und Verdunklungselemente kann das Tagslicht gesteuert werden. Mit Einbruch der Dunkelheit wechselt das Licht seine Richtung, das künstlich beleuchtete Band strahlt plötzlich von unten nach oben und wird seinerseits zum poetischen Stadtzeichen.
    Der Großteil der Ausstellungsfläche, ca. 80%, ist im beschriebenen Sockel beherbergt, der gläserne Kubus bietet auf drei Ausstellungsebenen mit zusammen ca. 1000 qm, Raum für die restlichen 20%. Die Ebenen 1 und 2 sind über einen zentralen zweigeschossigen Raum miteinander verbunden um den sich kleinere Räume gruppieren. Die Ebene 3 besteht aus einem einzigen ca. 400qm großen Raum.

    In allen Ausstellungsräumen suggerieren großflächige Lichtdecken (insgesamt 1.750 m²) homogenes, kühles Tageslicht. Sie bestehen aus zahlreichen Leuchtstoffröhren hinter hochentwickelten PVC-Folien, die - in Aluminiumrahmen eingespannt -- auf den Betrachter wie Milchglas wirken. Jede Lichtdecke kann einzeln angesteuert werden, um den unterschiedlichen Anforderungen der Kunstwerke gerecht zu werden. Zwischen den Folienbahnen sind außerdem noch Stromschienen montiert, damit einzelne Kunstwerke mit Spotlights oder Wandflutern herausgestellt werden könnten.


  • Fassade

    Mit dem weithin sichtbaren gläsernen Kubus, der in sich einen Kern aus gebrochenem Solenhofer Jura-Kalkstein birgt, setzen Hascher und Jehle bewusst auf Kontrast. Der äußerlich schroff, fast archaisch wirkende Steinwürfel bietet im Inneren Ruhe und Konzentration auf die Kunst, die technische Perfektion der gläsernen Hülle dagegen ist offen, scheinbar unbestimmt und bespielbar.

    Die Wirkung der Fassade wechselt zwischen Tag und Nacht. Am Tage zeigt sich durch die Minimierung der tragenden Stahlkonstruktion, die horizontalen Streifen und das zurückgesetzte Erdgeschoss ein elegant zurückhaltendes Gebäude, abends aber kehrt sich die Wahrnehmung um: Die äußere Glashülle löst sich auf, der Steinkubus leuchtet in seiner Naturfarbe auf und stellt die Beziehung zum benachbarten Königsbau her. Um diese Wirkung zu erzielen, war modernste Fassadentechnik notwendig: Jede Fassadenseite setzt sich aus 56 Scheibenelementen je 4.10 m x 2.50 m zusammen. Jedes der 224 etwa 760 kg schweren Elemente besteht aus drei sonnen- und wärmeschutzbeschichteten Weißglasscheiben. Eine Verbundfolie hält die beiden äußeren Scheiben zusammen. Der schmale Zwischenraum zur Innenscheibe ist mit Argon-Gas gefüllt, das die Wärmedämmeigenschaft der Scheibe so weit wie möglich verbessert. Speziell abgestimmte Beschichtungen der Gläser bewirken, dass bei maximaler Lichttransmission nur 24% der Energie ins Gebäude eingetragen wird. Die Glasfassade ist über eine feingliedrige Konstruktion an einem Stahlträgerrost im obersten Geschoss aufgehängt. Gegen den Druck des Windes sind Fassade und Glasdach mit 6 cm breiten Glasschwertern stabilisiert. Auf der Oberseite des Steinwürfels bietet das rundum verglaste Museumsrestaurant mit einer Gesamtfläche von 420 m² neben Kulinarischem einen spektakulären Rundblick über die Stadt.
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